Die erste Woche haben wir fast hinter uns. Heute reisen wir weiter nach Tansania. Unser nächstes Ziel ist der riesige, an die Masai Mara angrenzende, Serengeti-Nationalpark. Wir erfahren allerdings von den Park-Rangern, dass wir unsere Route nicht wie beabsichtigt antreten können. Der Grenzübergang am südöstlichen Ende der Masai Mara ist für die Öffentlichkeit nicht bestimmt. Das bedeutet, wir müssen einen großen und vermutlich weniger schönen Umweg über die verbleibende Grenze im Westen fahren.

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Das wirft uns in der Reiseplanung wieder einiges durcheinander. Trotzdem nutzen wir die Morgensonne und fahren noch eine kleine Abschiedstour durch die Masai Mara.

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Heute ist wieder ein ruhiger Tag in der Tierwelt. Nur ein paar im hohen Gras schlafende Löwen bekommen wir zu sehen. Wir entschließen uns, uns auf den Weg zu machen. Über das Oloololo Tor verlassen die Masai Mara wieder und fahren Richtung Westen.

Wir erreichen ein weiteres Dorf und halten an, um zu fotografieren. Die Menschen sind freundlich und fröhlich. Viele Kinder versammeln sich um uns herum. Wir haben noch Kekse im Auto, die wir so gut wie möglich unter allen Kindern aufteilen.

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Nach etwa drei weiteren Stunden Fahrt erreichen wir Isibania, die Grenzstadt zu Tansania. Wir nähern uns dem Grenzübergang. Dort erfahren wir von ein paar Männern, dass sie uns bei der Einreiseprozedur unterstützen. Dieser Service wäre Pflicht und würde 40 Dollar kosten. Wir bezweifeln, dass dies der Wahrheit entspricht, zahlen jedoch das Geld.
Zuerst führen sie uns zum Gesundheitscheck im Immigration Office Gebäude. Nach einer schnellen Fiebermessung geht es weiter in den nächsten Gebäudeabschnitt. Dort erhalten wir unser Visum sowie die Möglichkeit des Umtausches der Währung. Immer wieder fragen wir die Personen hinter den Schaltern, ob der Service der Männer wirklich Pflicht sei, doch niemand gibt uns eine klare Antwort. Womöglich, weil die Männer die ganze Zeit in unserer Nähe sind. Am Ende des Einreiseverfahrens haben wir die Gelegenheit am Hauptschalter noch einmal nachzufragen. Dort bekommen wir auch endlich eine klare Antwort. Der Service sei weder Pflicht, noch wäre er 40 Dollar wert. Das Problem gäbe es hier täglich, meint er. Der Beamte, leicht sauer, stellt die Männer zur Rede. Der Mann, dem wir das Geld anfangs bezahlt hatten, gibt es uns unauffällig wieder zurück.

Wenige Minuten später sagen wir ihm, dass wir den Service vermutlich gerne in Anspruch genommen sowie entlohnt hätten, wenn er ehrlich zu uns gewesen wäre. Denn geholfen haben die Männer uns wirklich bei der Bürokratie.

Letztlich verlassen wir das Immigration Office, steigen wieder in unseren Wagen und befinden uns nun in Tansania. Unmittelbar merken wir, dass hier alles etwas anders ist. Zuerst fällt uns auf, dass hier der Zustand der Häuser insgesamt etwas besser scheint. Jedoch schauen uns hier die Menschen intensiver und ohne Lächeln im Gesicht an. Im Gegensatz zu den letzten Tagen fühlt sich das seltsam an.

Wir haben schon ein ganzes Stück Weg in Tansania hinter uns gebracht und die Serengeti ist eigentlich nicht mehr fern. Doch auf einmal erscheint vor uns eine gesperrte und nicht mehr befahrbare Straße. Zuerst versuchen wir diesen Abschnitt zu umfahren, doch wir haben kein Erfolg. Wir irren ein wenig herum. Gleichzeitig merken wir, dass die Menschen hier weniger hilfsbereit sind, aber alle ohne Begründung Geld verlangen. Außerdem spricht hier, im Vergleich zu Kenia, so gut wie niemand wirklich englisch.

Unsere Stimmung sinkt. Die Straße führt nicht weiter, niemand hilft uns. Nach Grenzübertritt hatten wir keinen Internetempfang mehr. Und der Tag neigt sich langsam, aber sicher dem Ende zu.

Ich erinnere mich an eine kleine, höher gelegene Stelle auf unserem Weg, an der ich kurz einen minimalen Empfang hatte. Wir fahren langsam die Strecke, die wir gekommen sind, zurück. Plötzlich hatte ich kurz Empfang. Wir fahren wieder ein Stück rückwärts. Es klappt. In einem 10 Meter großen Bereich auf der Straße empfange ich das Internet aus Kenia. Ich suche eine neue Route und direkt eine Übernachtungsmöglichkeit heraus. Ich werde fündig. Neues Ziel: Fukufuku Camp in der Nähe des westlichen Serengeti Tors. Geschätze Dauer: 2 Stunden für eine Entfernung von 140 Kilometer. Ein Lichtblick. Vor Sonnenuntergang schaffen wir es nicht mehr, aber das sind wir mittlerweile gewohnt.

Kurz vor Sonnenuntergang halten wir noch einmal am Straßenrand an, um das restliche Licht für das Abendessen zu nutzen. Während wir das Essen vom Vortag auf dem Gaskocher erhitzen, nutzen wir die Zeit für Fotos.

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Gestärkt erreichen wir 30 Minuten später bei Dunkelheit das Camp. Wir stehen vor verschlossenem Tor. Niemand ist zu sehen. Und auch hinter dem Tor sieht es nicht wirklich vielversprechend aus. Aber wir haben Glück, einige Minuten später sehen wir jemanden. Er lächelt und lässt uns rein. Wir fahren auf das Gelände. Er öffnet ein weiteres Tor und plötzlich befinden wir uns auf einer wunderschönen Campinganlage. Zum allerersten Mal gibt es eine heiße und saubere Dusche. Wir gönnen uns diese und genießen das beheizte Wasser. Unser Tag ist gerettet!

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